Newsletter 2. Quartal 2026

Kinderheim «Yo Quiero Ser» – Mehr als nur ein Kinderheim

Hinweis zum Schutz unserer Kinder

Der Schutz der Privatsphäre und der Persönlichkeitsrechte unserer Kinder hat für uns höchste Priorität. Aus diesem Grund werden wir künftig in unseren Newslettern und Berichten bewusst darauf verzichten, die Namen der Kinder zu erwähnen oder ihre persönlichen Geschichten einer bestimmten Person zuzuordnen. Die folgenden Beispiele stammen aus unserem Alltag im Kinderheim und spiegeln reale Erlebnisse wider – allerdings ohne Nennung von Namen oder identifizierenden Angaben.

Seit der Eröffnung unseres Kinderheims im Jahr 2007 durften wir Hunderte von Kindern auf einem Stück ihres Lebenswegs begleiten. In den vergangenen fast zwei Jahrzehnten hat sich das staatliche Kinderschutzsystem in Honduras mehrfach verändert. Heute verfolgt die zuständige Behörde SENAF das Ziel, Kinder wenn möglich wieder mit ihrer Herkunftsfamilie zusammenzuführen.

Dieses Ziel unterstützen wir von Herzen. Gleichzeitig erleben wir Tag für Tag, dass hinter jedem Kind eine ganz eigene Geschichte steckt und dass nicht jede Geschichte gleich verläuft.

Es gibt junge Menschen, die als kleine Kinder zu uns gekommen sind und heute bereits ihre Ausbildung oder ihr Universitätsstudium abgeschlossen haben. Nach ihrer Zeit im Kinderheim leben sie in unserer betreuten Wohngemeinschaft, bis sie vollständig auf eigenen Beinen stehen können. Zu sehen, wie aus verängstigten Kindern selbstbewusste, verantwortungsvolle junge Erwachsene werden, ist einer der schönsten Momente unserer Arbeit. Genau dafür lohnt sich jeder einzelne Einsatz.

Es gibt jedoch auch Kinder, die tief in ihrem Herzen wissen, dass sie wohl nie zu ihrer Familie zurückkehren werden. Manche haben ihre Eltern seit vielen Jahren weder gesehen noch von ihnen gehört. Für diese Kinder wird unser Kinderheim zum Zuhause, unsere Mitarbeitenden zu wichtigen Bezugspersonen und die anderen Kinder zu einer grossen Familie. Natürlich gibt es Momente, in denen sie traurig sind, besonders an Weihnachten oder Geburtstagen. Doch sie lernen, dass sie nicht allein sind und ihr Wert nicht davon abhängt, ob sie Besuch erhalten.

Besonders bewegend sind jene Momente, in denen eine Familienreintegration gelingt. In diesem Jahr durften beispielsweise vier Geschwister nach dreieinhalb Jahren im Kinderheim zu ihrer Mutter zurückkehren. Dieser Schritt wird über Monate hinweg sorgfältig vorbereitet, unter anderem mit psychologischer Begleitung, begleiteten Besuchen und Hausabklärungen. Dennoch ist eine Rückkehr oft mit vielen Emotionen verbunden. Die Kinder verlassen einen Ort, der zu ihrem Zuhause geworden ist, und müssen sich erneut an eine völlig neue Lebensrealität gewöhnen. Deshalb endet unsere Verantwortung nicht mit dem Abschied: Wir begleiten die Familien auch danach weiter, so gut wir können.

Und dann sind da die Kinder, die neu zu uns kommen. Viele von ihnen haben bereits in jungen Jahren Dinge erlebt, die kein Kind erleben sollte. Sie kommen verängstigt, enttäuscht und ohne Vertrauen in die Zukunft zu uns. Oft glauben sie nicht mehr an sich selbst. Doch nach und nach geschieht etwas Wunderbares: Durch Liebe, Geborgenheit, Bildung, psychologische Begleitung und Gemeinschaft mit anderen Kindern beginnen sie wieder zu lachen, zu träumen und an ihre Zukunft zu glauben.

Genau das ist unsere Aufgabe.

Unser Kinderheim ist weit mehr als nur ein Ort, an dem Kinder schlafen, essen und zur Schule gehen. Es ist ein Ort, an dem Vertrauen wachsen kann, an dem Hoffnung zurückkehrt und an dem die Kinder lernen, dass ihre Vergangenheit nicht über ihre Zukunft entscheidet. Wir dürfen jeden Tag miterleben, wie aus Angst wieder Zuversicht wird, wie aus Hoffnungslosigkeit neue Träume entstehen und wie aus verletzten Kindern starke junge Menschen werden. Und genau das erfüllt uns immer wieder mit grosser Dankbarkeit.

Berufsbildungszentrum Santa Rosa de Copán: Bildung schafft Zukunft

Auch im ersten Halbjahr 2026 war unser Berufsbildungszentrum in Santa Rosa de Copán ein Ort des Lernens, der Begegnung und neuer Zukunftschancen. Von Januar bis Juni konnten wir 15 praxisorientierte Ausbildungskurse anbieten. Das vielseitige Angebot reichte von Haarschneiden für Herren, Schweissen, Schneiderei und Schreinerei über Schmuckherstellung, Fahrzeugelektrik und elektronische Fahrzeugeinspritzung bis hin zur Herstellung von Reinigungsprodukten, der Wartung von Nähmaschinen sowie einer Weiterbildung für INFOP-Instruktoren im Bereich Google Forms.

Insgesamt nahmen 215 Personen an den Kursen teil, darunter 108 Frauen und 107 Männer. Doch die Wirkung unserer Arbeit reicht weit über die Teilnehmenden hinaus: Da das neu erworbene Wissen und die verbesserten Einkommensmöglichkeiten den gesamten Haushalt stärken, profitierten zusätzlich 630 Familienangehörige indirekt von den Ausbildungen.

Damit konnten wir in den ersten sechs Monaten des Jahres insgesamt 845 Menschen erreichen und ihnen neue Perspektiven für eine bessere Zukunft eröffnen.

Denn eine Ausbildung verändert nicht nur das Leben einer einzelnen Person, sondern stärkt auch ganze Familien und schafft die Grundlage für nachhaltige Entwicklung.

Colonia Unión y Esperanza

In der Colonia Unión y Esperanza wächst nicht nur die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner, sondern vor allem das Miteinander. Die inzwischen 101 Familien haben sich zu einer starken Gemeinschaft zusammengeschlossen und übernehmen Schritt für Schritt mehr Verantwortung für die Gestaltung ihres Dorfes.

Ein bedeutender Meilenstein wurde in den vergangenen Monaten erreicht: Die Bewohnerinnen und Bewohner haben ihr neues Patronato demokratisch gewählt. Neun Vertreter:innen aus den verschiedenen Wohnblöcken bilden künftig den offiziellen Gemeindevorstand. Das Patronato vertritt die Interessen der Bevölkerung, fördert das Gemeinwohl, koordiniert gemeinschaftliche Anliegen und arbeitet eng mit den lokalen Behörden zusammen, um die nachhaltige Entwicklung der Gemeinde voranzutreiben.

Für die Stiftung «Yo Quiero Ser» ist dies ein besonderer Erfolg. Die Wahl des Patronatos zeigt, dass unser Ziel Wirklichkeit wird: Menschen zu befähigen, ihre Zukunft eigenständig und verantwortungsvoll mitzugestalten. Während einer Übergangsphase werden wir das neu gewählte Gremium weiterhin begleiten, beraten und bei seiner neuen Aufgabe unterstützen.

Die Stiftung «Yo Quiero Ser» bleibt jedoch Eigentümerin des Projekts und trägt auch künftig die strategische Gesamtverantwortung. Sie stellt sicher, dass die gemeinsamen Werte und Richtlinien eingehalten werden, begleitet die Entwicklung der Gemeinde und nimmt ihre Aufsichts- und Kontrollfunktion wahr. So verbinden wir die wachsende Eigenverantwortung der Dorfgemeinschaft mit einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Projektführung.

Neben dem Patronato engagieren sich auch verschiedene Gemeindekomitees für das Wohl der Bevölkerung. Die Teams für Sicherheit, Wartung, Umwelt, Bildung und Kultur sowie die monatliche Kontrolle der Stromzähler leisten einen wertvollen Beitrag zum täglichen Zusammenleben und fördern das Verantwortungsbewusstsein innerhalb der Gemeinde.

Auch das soziale und kulturelle Leben gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Laufe des Jahres wurden bereits zahlreiche Veranstaltungen organisiert, die den Zusammenhalt stärken und das Gemeinschaftsgefühl fördern. Dazu gehörten unter anderem die Feierlichkeiten zum Internationalen Frauentag und zum Muttertag sowie eine Informationsveranstaltung für Jugendliche. Dabei erhielten die Jugendlichen Einblick in die Entstehungsgeschichte, die Werte und die langfristigen Ziele des Projekts Unión y Esperanza. Solche Begegnungen schaffen Identifikation mit der Gemeinschaft und legen den Grundstein für eine selbstständige und verantwortungsbewusste Zukunft.

Schule El Alpinista

Das zweite Quartal des Schuljahres 2026 ist bereits Geschichte und die Schülerinnen und Schüler durften sich über ihre Zwischennoten freuen. Dank des ausserordentlichen Engagements der Lehrkräfte konnten die meisten Kinder und Jugendlichen sehr gute Leistungen erzielen. Diese Erfolge sind das Ergebnis von Fleiss, Motivation und einer engagierten Begleitung im Schulalltag.

Doch die Schule ist weit mehr als ein Ort des Lernens. Neben Mathematik, Sprachen und Informatik erleben die Kinder und Jugendlichen das ganze Jahr über besondere Projekttage, die ihre Kreativität, ihre Persönlichkeit und ihren Gemeinschaftssinn fördern.

Ein besonderes Highlight war der Tag der Naturkunst (Arte de la Naturaleza). Mit natürlichen Farben aus Kurkuma, Randen, Achiote (ein natürlicher orange-roter Farbstoff aus Annattosamen) und Kaffee verwandelten die Schülerinnen und Schüler einfache Leinwände in farbenfrohe Kunstwerke. Dabei lernten sie, wie wertvoll die Ressourcen der Natur sind und dass aus einfachen Materialien beeindruckende Kunst entstehen kann.

Grosse Begeisterung löste auch der Tag der Schülerinnen und Schüler (Día del Estudiante) aus. Eine Modenschau, zahlreiche Spiele und kreative Wettbewerbe sorgten für strahlende Gesichter. Den feierlichen Höhepunkt bildete die Wahl der „Madrina de los Estudiantes“, die von den Schülerinnen und Schülern mit grosser Spannung erwartet wurde.

Auch der Tag des Baumes (Día del Árbol) hinterliess bleibende Eindrücke. Jedes Kind brachte einen Baum oder eine Pflanze mit und pflanzte diese auf dem Schulgelände. So entstand nicht nur mehr Grün rund um die Schule, sondern die Schülerinnen und Schüler übernahmen auch Verantwortung für die Umwelt und lernten, wie wichtig der Schutz der Natur für ihre Zukunft ist.

Im Laufe des Quartals wurden daneben zahlreiche weitere besondere Tage gefeiert, darunter der Muttertag, der Vatertag, die Woche der Sprache, der Tag der Erde sowie der Tag des Sports. Durch diese abwechslungsreichen Aktivitäten wird der Zusammenhalt gestärkt, Talente werden gefördert und den Kindern wird gezeigt, dass die Schule ein Ort ist, an dem sie nicht nur Wissen erwerben, sondern auch Werte leben, Freundschaften schliessen und unvergessliche Erinnerungen sammeln können.