Diesen Sommer erfüllte ich mir einen Herzenswunsch - ich legte eine berufliche Auszeit ein, um acht Wochen lang im Kinderheim «Yo quiero ser…» in Honduras zu helfen. Es war eine Reise, die mich nicht nur geografisch in die Ferne führte, sondern mich auch menschlich tief berührte. Acht Wochen lang durfte ich Teil einer besonderen Gemeinschaft sein, deren überwältigende Herzlichkeit mir den Abschied von meiner eigenen Familie leichter machte.
Ankunft und ein warmes Willkommen
Schon bei meiner Ankunft wurde ich von Patricia, ihrer Familie und dem engagierten Team des Kinderheims mit offenen Armen empfangen. Diese sofortige, bedingungslose Wärme war das erste Geschenk meiner Reise. Trotz der oft schwierigen Lebensumstände, die viele der Kinder ins Heim geführt haben, geprägt von Armut, Unsicherheit und belastenden Erfahrungen, herrschte dort eine Atmosphäre von Geborgenheit, Respekt und Miteinander.
Mein Alltag im Kinderheim
Vormittags besuchten die Kinder die Schule, nachmittags standen Hausaufgabenbetreuung und gemeinsames Lernen auf dem Programm. Bildung ist ein zentraler Baustein ihrer Zukunft, und ich unterstützte dabei, wo ich konnte. Gleichzeitig half ich gerne bei allen täglichen Abläufen mit – von der Essenszubereitung bis zum Zubettbringen der Kinder. Die Arbeit mit den Kindern war das Herzstück meiner Zeit in Honduras. Ich besuchte sie in der Schule, organisierte Bastelnachmittage, puzzelte mit ihnen und schenkte ihnen für kurze Zeit unbeschwerter Freude. Besonders die fröhliche Weihnachtsfeier in der Schule zählt zu den vielen Erlebnissen, die ich für immer in Erinnerung behalten werde.
Nach der Ankunft des Hilfscontainers aus der Schweiz habe ich geholfen, die Kleidung zu sortieren, zu verteilen und für bedürftige Familien bereitzustellen. Zudem stellt die Stiftung regelmäßig Proviantsäcke mit Grundnahrungsmitteln zusammen, die anschliessend an bedürftige Familien ausgegeben werden. Da die Kinder aus eigener Erfahrung wissen, wie wichtig Hilfe ist, übernehmen sie diese Aufgaben stets mit großer Hingabe.
Gleichzeitig war der Alltag emotional fordernd. Die Geschichten der Kinder haben tiefe Spuren bei mir hinterlassen. Man lernt schnell, dass man ihre Vergangenheit nicht ungeschehen machen kann, doch gerade deshalb wird klar, wie wertvoll jeder Augenblick der Zuwendung ist. Jedes dieser Kinder verdient Liebe, Aufmerksamkeit und eine Umarmung. Das Mindeste, was wir ihnen schenken können.
Ein Blick hinter die Kulissen
Meine Aufgabe ging auch über die direkte Kinderbetreuung hinaus. Patricia involvierte mich intensiv in die Arbeit der Organisation. Besonders eindrucksvoll war für mich die Begleitung der Sozialarbeiterin Fabricia. Gemeinsam besuchten wir Familien, die bald in das neu entstehende Dorf „Unión y Esperanza“ umziehen sollten. Bei diesen Hausbesuchen sah ich aus nächster Nähe, unter welch schwierigen und oft von grosser Armut geprägten Umständen sie lebten. Diese Begegnungen waren zutiefst berührend und haben mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit der Stiftung ist und was der bevorstehende Umzug für diese Familien bedeutet.
Während meines Aufenthalts konnte ich miterleben, wie das Dorf wuchs. Es entstanden eine Klinik, Büroräume und ein Gemeinschaftssaal – sichtbare Zeichen von Fortschritt und Hoffnung.
Auch über die honduranische Kultur und die Lebensrealität der Menschen konnte ich viel lernen. Die unermüdliche Hingabe, mit der Patricia und ihr Team tagtäglich Leben verändern, hat mich tief beeindruckt und nachhaltig inspiriert.
Besonders prägend waren die vielen kleinen Momente der Nähe Eine spontane Umarmung, ein geteiltes Geheimnis oder einfach das Gefühl, gebraucht zu werden. Es war bewegend zu erleben, wie widerstandsfähig und lebensfroh die Kinder trotz ihrer schwierigen Vorgeschichten sind. Sie haben im Kinderheim ein Zuhause gefunden, in dem sie gesehen, geliebt und gefördert werden.
Ein Abschied voller Tränen
Der Abschied von Honduras und dieser einzigartigen Gemeinschaft fiel mir unendlich schwer. Während meiner kleinen Abschiedsfeier flossen viele Tränen – ein Zeichen dafür, wie sehr mir die Kinder und all diese Menschen ans Herz gewachsen sind. Die Vorfreude auf das Wiedersehen mit meiner eigenen Familie schenkte mir Trost.
Meine Zeit in Honduras hat mich nachhaltig verändert. Sie hat mir gezeigt, wie viel Liebe, Engagement und Menschlichkeit bewirken können. Ich bin Patricia von Herzen dankbar für diese unvergessliche Erfahrung.
Ich bin mit der Gewissheit zurückgekehrt, dass jeder noch so kleine Beitrag einen grossen Unterschied machen kann – und mit Erinnerungen, die mich ein Leben lang begleiten werden.



























































